Der Rüssel wird schlaff – eine Erkenntnis

Auch ein energiegeladener Mensch kann mal auslaugen. Keine Frage. Auch ein Optimist kann mal pessimistisch denken oder sich niedergeschlagen fühlen. Und irgendwie kommt mir vor, dass mir manche Dinge einfach nicht mehr so leicht von der Hand gehen wie früher. Einmal ist mein innerer Schweinehund größer geworden. Der scheint mit dem eigenen Körperumfang mithalten zu wollen, das ist einigermaßen kurios. Wenngleich auch nicht ganz unlogisch. Dann ist das Fleisch schwächer geworden, und das in vielerlei Hinsicht. Also ich gebe leichter nach. Ich lasse mich leichter gehen. Das macht mich schwerer. Klingt auch einigermaßen komisch, ich geb’s ja zu. So wird das Leben auch noch um ein paar Komplexitätsgrade erhöht. Wobei, von wegen Komplexitätsgrad: neulich sprach man bei mir in der Firma von einem „De-Complexing“. Ich meine, ich hätte halt Vereinfachung gesagt, aber wenn das besser klingt (in den Ohren der Unternehmensberater, eh klar), dann wird das halt so sein müssen. Ich habe auf dieses Wortscheusal hingewiesen und ein wenig die Nase gerümpft. Viel Eindruck habe ich dabei nicht hinterlassen.

Wie so überhaupt in meinem Leben diese Spezies Unternehmensberater (ich gestehe, ich habe ja selber auch ein solches Gewerbe angemeldet) schon eine sehr einnehmende Rolle hatten. Wie oft wurden Firmen, in welchen ich tätig war, verkauft! Oder es kam zu einem Merger, auch zu Um- und Re-Organisationen. Change-Management sagt man halt heute dazu. Es ändert sich was, und wenigstens hat man erkannt, dass man das auch irgendwie managen sollte. Nun ja. Was für eine bahnbrechende Erkenntnis. Wobei auch hier gilt: heute sagt man „managen“ dazu. Früher: mach das mal. Fällt mir gerade ein: ich habe einen neuen Buchtitel gesehen: „Change mich am Arsch“. Das ist nicht ganz ohne Witz, wie ich finde.

Wenn einem ein paarmal im Leben passiert, dass einem der Arbeitgeber unterm Arsch wegverkauft wird, die Firma mit einer anderen zusammengeht oder gar zugesperrt wird, kann es natürlich sein, dass man dabei auslaugt. Da kann noch so viel Change-Management stattfinden. Deshalb der schlaffe Rüssel also. Im konstanten Bemühen, einen Eindruck zu machen bzw. zu hinterlassen, nutzt sich so der Rüssel der Betrieb- und Strebsamkeit ab. Der Energiehaushalt schwächelt. Siehe oben. Und wenn man sich ein paarmal intern auf eine höhere Position beworben hat, aber so wie ich nun mittlerweile doch schon einige Male abgelehnt wurde, dann nagt das auch an einem. Einmal wurde mir definitiv geschrieben, ich sei zu alt. Der verantwortliche Manager hat zwar ein leicht anderes Diktum gewählt, aber es war eindeutig und die Ablehnung juristisch klar erkennbar damit begründet.

Zwar gibt es einige Leute, welche mir viel Talent und auch Wissen in vielen Dingen zuschreiben, aber vielleicht bin ich doch nur Mittelmaß (da graust’s mir nun irgendwie)? Sollte ich also in mich gehen und mir überlegen, ob ich mit dem Mittelmaß noch auskommen will? So gegen Ende meines Berufslebens, wo ich noch offiziell 6 Jahre habe? Und nicht, dass ich nicht noch weiter etwas tun will, nur: wird das noch wer wollen? Ich habe mir ja überlegt, meine interkulturellen Kompetenzen weiter zu nutzen und im Bereich von internationalen Friedensmissionen tätig zu werden. Wird mich dort wer brauchen? Mein alter Freund Klaus sagte vor kurzem in einem Telefonat: „Wir sind schon alte Narren, uns will keiner mehr!“. Es scheint tatsächlich so. Nun denn. Irgendwie ist das eine Zäsur im Leben, so erscheint mir das jedenfalls. Ich habe – zumindest beruflich – beschlossen, aufzugeben. In meiner Firma erreiche ich jedenfalls nichts mehr. Ich kann mich noch einbringen, kann Change-Prozesse begleiten. Projekte da und dort leiten. Das war’s dann. Eine höhere Position mit mehr Gehalt, um noch in einer letzten Anstrengung ein kleines Häuschen zahlen zu können, das geht sich nicht mehr aus.

Nun kann ich höchstens noch Erinnerungen teilen, die aber in der heutigen Arbeitswelt auch von fraglichem Wert sein werden. Hat heute wer im Radio gesagt: „Man muss die Zukunft mit den Augen eines Historikers sehen“. Weder Optimismus noch Pessimismus sind daher angebracht. Und Erinnerungen aus einer nicht-digitalen Vergangenheit sind für die auf uns zukommenden Veränderungen mit Sicherheit kein Asset. Außer Dr.Seltsam wirft die Neutronenbombe und es gibt kein Internet mehr. Aber dann werden sich auch alle darum bemühen, das Ding wieder zum Laufen zu bekommen. Weil’s ja offensichtlich sonst keine Alternative mehr gibt. Oder?

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White Elephant being repainted

Or RESTART? My life never has been boring. Always full of changes, sudden, some unexpected, some with real surprises and some with changes that I have seen long before coming my way.  After having spent a couple of months in the office without further ado, I kept wondering how long this phase would last.
And boy, did it last long! But then, when comparing it to former times of re-orientation, – consideration and whatever else seemed appropriate, the change this time came from an unexpected corner.  I was asked if I wanted to join the change management team, Surprise, surprise! But as synchronicity is something that I keep experiencing I wasn’t overly surprised. Much to my regret the phase of just hanging around went out of sight pretty fast. I would have written a new book or some if this state had been going on for another while.
But now times are changing. Literally.  But I will keep on posting, less enthusiastically though, but still. And probably carry on writing that sort of stories that Kafka became famous for, but just from the manager’s (in this case past) perspective.  The new team is young and dedicated. We are sought after. What a thrill again to feel that people are asking for your support and consideration! And my diversity training from Summer University in Portland, Oregon, is at last paying off. Just as well as my intercultural studies. Somehow all the pieces of my life’s puzzle fall together and form a picture that is rich and encouraging and makes me smile.  Good one. Restart, then.
https://dailypost.wordpress.com/prompts/elegance/“>Restart</a&gt;

 

Alles Neu?

Das Neue ist ins Land gezogen, meine Situation hat sich mal bislang auch nicht geändert, vom Winter ist nix zu spüren. Okay, eine kleine Aufgabe, die ganz nett ist, hat man mir zugeschanzt. Etwas, das der gesamte Vorstand nicht so mag, nun soll ich die Leute motivieren, etwas zu tun, womit sie in der Regel nix zu tun haben (wollen). Nachhaltigkeit. Non-financial report und entsprechende Indikatoren. Ein Bericht. Eine externe Consulting-Gesellschaft wurde engagiert, um uns zu helfen. Ich frage mich auch, wozu. Können wir nicht lesen? Immer noch gälte: das Schwarze sind die Buchstaben, von links nach rechts, geht schon. Dann kann man auch eine EU-Richtlinie lesen. Man kann natürlich auch eine Vorlage der Konkurrenz nehmen und sich daran orientieren. Alles gut und möglich. Irgendwer hat da zwei Seiten zusammengeschustert. Reichlich mager für unser Unternehmen. Vollmundig reden wir im letzten Jahresbericht von den SDGs (sustainable development goals) der Agenda 2030 der UN, und wie wir das nicht alles verwenden würden, wenn wir so vor uns her arbeiten.

Wenn man die SDGs lesbar ausdruckt und auf ein Blatt zusammenbringen wollte, dann ist das Feigenblatt wirklich recht groß. Dahinter steckt… naja, also man erwarte sich da keine Weltwunder.

Wenn man dann so aus dem Fenster raussieht und es bildet sich vor dem Hintergrund einer dunklen Regenfront ein Regenbogen, dann weiß man zwar, wieso es den gibt. Aber dennoch ist es immer wieder ein Spektakel und die Leute drehen sich nicht nur um und freuen sich bei Betrachten des Naturschauspieles. Da kehrt die Natur ein Stück weit zurück in unsere drögen Büroalltage, die nur von grenzenlos bescheuerten Statistiken und Kennzahlen beherrscht wird, neben dem alltäglichen Kampf um Mehr und das Sich-behaupten-müssen. Ein seelenloses, sinnentleertes Dasein, also einfach so, losgelöst vom Rest des Unternehmens eine einfach total verrückte Tätigkeit. Eigentlich sollte ich wütend sein und/oder werden. Was hat das alles mit Menschsein zu tun? Kann irgendwer noch von sich behaupten – außer Menschen, welche in Sozialberufen oder Dienstleistungen am Menschen tätig sind – dass er in dieser Welt etwas Sinnvolles macht? Okay, Handwerker, welche unsere Häuser bauen. Aber Banker? Versicherer? Fonds-Investoren? Sind die allesamt in Ihrem Leben denn glücklich? Okay, da wird es welche geben, klar, weil es einfach Leute gibt, denen es Spaß macht, mit Zahlen und Werten und Menschen zu spielen.

Ich denk grad an die Geld- und Kreditblase in dieser Welt da draußen. Und an den INTEL-Meltdown und Spectre. Und Bitcoin. Ich weiß ja nicht, wie viel Menschen sich darüber schon Gedanken gemacht haben, dass über diesen Meltdown möglicherweise auch Bitcoins nicht mehr sicher sein könnten. Nun bin ich kein IT-Experte, aber auch die Idee, dass irgendwer mal einen gewaltigen EMP (elektromagnetischen Impuls) in der Stratosphäre erzeugt (geht ganz leicht mit ’ner entsprechenden Atombombe) und was sich dann an den Börsen tut, oder nicht mehr tut, hat das spannende Aspekte?

Glücklich würde uns das vermutlich alle nicht wirklich machen, aber zurückführen auf das, was wirklich essentiell ist, das könnte es wohl. Die ganze Facebook-Schmierereien wären weg. Sinnlose oder -volle Posts auch. Dieser zum Beispiel: sie könnten ihn nicht mehr lesen. Serverfarmer und ihre Knechte würden arbeitslos, hach, was für ein Gedanke! Die modernen Autos könnten nicht mehr fahren, okay, das wären dann auch E-Mobile. Dennoch. Ist die Zeit vor dem Internet so etwas wie eine Wissens-Steinzeit, eigentlich?

Was meinen Sie?

 

Elegance

Elegance and elephants don’t have a lot in common, apart from the first three letters. And maybe apart from the fact that a few might like the way elephants move around and think of it as elegant, which reflects another form of perception, the apparent clumsiness holds more scenes for a good laugh than anything else. So there has to be more about the white elephant, reflecting on this special animal. It is meant to be the symbol behind and highlight the elegance of diplomacy. You want to get someone into real trouble, go and get an expensive present like the proverbial white elephant. The person can’t afford it in the course of time and either go ballistic over your hidden agenda behind your generosity or simply go bankrupt. Even the old Romans knew about this and created the proverb: “quidquid id est, timeo danaos, et dona ferentes”. There is something else to elegance, which is highly personal. I loathe clumsiness in every fibre of my body and brain. Brute force maybe necessary from time to time but is no justification for lack of elegance. If there is a way to perform whatever in an elegant way, I always prefer. I hate myself when I’m clumsy, and feel embarrassed when being watched in some of those moments. It destroys my feeling for dignity. So elegance is the surface for dignity, diplomacy the coating for hidden agendas. Another one from the Romans: “quidquid id est, prudenter agas, et respice finem”.

Whatever it is, do it carefully and consider the results, this should mean. So whenever you give generously, consider that the presentee might believe giving back the equivalent, regardless if he could afford it or not.

Some of the things going on in today’s world aren’t elegant at all. Thinking of politics, e.g., like would you believe that the current POTUS has anything in him that resembles the tiniest form of elegance? Maybe it’s fake elegance, yes, but if I was him I probably would kill myself in an instant for being so embarrassingly weird and pathetic. All the gold in whatever rooms he’s staying in cannot hide his fake brain or fake agenda. The guy has got none, except himself. It isn’t even about Amerika. It’s about him, nothing else. How embarrassing, such a huge lack of elegance.

Or is it elegant to sell weapons, let alone say WMD? I’d say no, since this increases the certainty of warfare, death in its course and poverty as well as refugees. Whenever the European politicians claim they would like to fight migration at the very bottom and beginning, this would be elegant. Whenever they forget about what they say and the ensuing migration covers Europe with millions of refugees: there is a hell of a lack of elegance. Embarrassing.

<a href=“https://dailypost.wordpress.com/prompts/elegance/“>Elegance</a&gt;

 

KPIs

Am Wochenende hab ich im ZEIT-Dossier gelesen, was Henning Sußebach über Frau Müller schrieb. Ich finde es aufmerksam von Herrn Sußebach, dass er sich Sorgen um Frau Müller macht. Und um uns KäuferInnen, die wir auch so wie er genervt sind vom X-Selling. Wenn wir an der Tankstelle nicht nur Benzin kaufen, sondern auch noch einen Kaffee haben sollen wollen, oder eine XY-Card. Von single- und multiline customer-Auswertungen und Ähnlichem war da in etwa die Rede. So wie der gute Mann das schreibt, hat er zwar sicher eine Menge Ahnung vom Journalismus. Aber wenn es mehreren so wie ihm geht, dass es unbekannt ist, womit sich Manager denn so beschäftigen oder womit sie ihre Leute beschäftigen? Ich dachte mir, dem Mann kann geholfen werden. Oder den anderen auch mal.

Wer von den P.T. LeserInnen hat schon vom Milano Fashion Tool (MFT) gehört? Oder von KPIs? Key Performance Indicators, ja, das sind diese merkwürdigen Dinger. Dazu gehören noch FTEs, die Full Time Equivalents. Früher hat man dazu Menschen gesagt, oder Mitarbeiter, wenn’s gut ging. Wir machen das ja auch. Da gehen im Auftrag des Managements Leute rum, mit Stoppuhr in der Hand, und die messen dann, wer was wann wo wie lange tut. Sie beschreiben die ganzen Prozesse, und dann kommen sie mit Zahlenwerken daher und erklären der klugen Managerin oder dem schönen Manager, wo bei den Prozessen eingespart werden könnte, wenn man was wie und wo anders machen würde. Und wieviele FTEs man dadurch einsparen würde. Das Management kann sich dann überlegen, um wieviele Headcounts ein Ressort gekürzt werden muss, um dann mit einem viel frischeren ROE (Return On Equity) auf der Hauptversammlung zu glänzen. Ist das nicht ein Heidenspaß?

Der Journalist braucht natürlich für Raumplanung ebenso wenig wie für seine Recherche je ein MFT. Das Management heutzutage schon. Oder halt ein ähnliches System. Das wollte Sußebach offensichtlich erfahren, aber es schien ihm nicht zu gelingen: Wieso tun die das? Klar kam er drauf, dass der Umsatz ziemlich im Fokus steht. Und ein Satz blieb mir als ziemlich lässigster Satz im ganzen Artikel im Gedächtnis: „Wo man im Außen nichts mehr erobern kann, da richtet sich die Aggression nach Innen“. Großartig, dachte ich, er hat es zumindest intuitiv erfasst. Das Wesen des Kapitalismus. Wir haben uns längst alle versklaven lassen.

Aber ich will das mit dem MFT und den KPIs noch ein wenig näher erklären. Das MFT ist ein elektronisches Tool, welches – zumindest in unserer Firma – dazu eingesetzt wird, länderübergreifend Zahlen zu vergleichen und Reports zu erstellen. Verkaufszahlen sind ja noch das einfachste. Aber wenn beispielsweise ein Telefonat im Service-Center unserer Firma in der Ukraine oder in Deutschland oder sonstwo geführt wird, dann haben alle eine bestimmte Aufgabe dabei. Diese sollte in jedem Land dieselbe sein. Abgesehen davon, dass Kundenwünsche erfüllt werden sollen, muss ein Anruf in einer bestimmten Zeit abgewickelt werden. Abweichungen davon werden erfasst.

Wenn ein Land irgendwo an der Spitze von 20 anderen Ländern ist, dann wird geprüft, woran das liegt. Hat jemand einen besonderen Trick oder sind die Leute schneller oder die Kunden informierter? Wenn’s da was gibt, werden die anderen informiert und geschult und müssen das auch so machen. Früher haben wir den Leuten vor Ort geholfen. Tun wir mittlerweile nicht mehr. Heute gibt’s Vorgaben. Wie das lokale Management das erreicht, interessiert in der Zentrale niemanden mehr.

In einigen Ländern tragen sie das Schwindler-Gen sozusagen latent in sich. Da werden dann Studenten in Call-Centern eingesetzt. Die scheinen in der Personal-Statistik des Personalbüros nicht auf. Sind ja keine Headcounts, die wir zählen (wissen wir, dass das auch intransparent ist). Das führt dann dazu, dass vielleicht 5 offiziell Angestellte mit 20 Studenten im Land A gemeinsam so viele Arbeitsvorgänge abwickeln, dass in anderen Ländern immer nur gestaunt wird, wie produktiv die alle sind. Weil sie dort eben 15 FTEs haben und mit der Arbeit nicht fertig werden. Vollkommen unvergleichbar und intransparent, das Ganze, aber alle scheinen es zu akzeptieren. Moderne Sklavenarbeit, könnte man sagen. Wer nicht schwindelt, hat keine so guten Zahlen. Beim nächsten Blog dann mehr…