Starke Nerven sind gut

Ich sehe ja von meinem Büro – also Großraumbüro – aus die Berge. Das kann was, überhaupt an schönen Tagen, wenn ein klarer Tag mit trockener Herbstluft alles frei macht von Nebel, etc. Und nein, ich mache nun kein Foto, weil sonst weiß ja jeder sogleich, in welcher Stadt ich bin. Gut, es ist nicht Hamburg. Aber es kann Zürich oder Vaduz oder München oder Mailand oder Salzburg oder was auch immer sein. Oder von mir aus auch Frankfurt, aber das ist schon wieder ein wenig schwieriger, weil was bitte soll der Taunus sein? Ein Gebirge? Okay, ein Mittelgebirge, definitionsgemäß. Und nein, eigentlich ist es nicht wichtig.

Was ich aber nicht mag: wenn es draußen so schön ist, dann habe ich definitiv das Gefühl, ich versäumte etwas. Draußen scheint die Sonne, ich muss hier drinnen sitzen. Das ist schon auch so ein Psychospielchen mit meiner HR-Abteilung. Die haben mir ja neulich gesagt: „Das ist doch auch eine Belastung für Sie, oder? Sie sitzen rum und haben nichts zu tun, also das stellen wir uns ja schrecklich vor!“. Ganz mitfühlend, die Mädels. Ich war ganz gerührt. Ich hab’s ihnen auch gesagt, dass mich das berührt, wenn sie so mitfühlend sind. Fast hätten wir alle geweint. Ich bin mir jedenfalls nicht sicher, ob sie gemerkt haben, dass ich sie verarsche, oder doch nicht. Ich habe ihnen auch gesagt, dass ich gute Nerven hätte. Weil ich sonst diverse Theater in der Vergangenheit nicht überstanden hätte.

Ich habe ihnen auch versichert, meine Konfliktbereitschaft sei erheblich durch ein Mail gesteigert worden, welches ich vom Vorstand einer unserer Konzerntöchter erhalten habe. Ich hatte mich nämlich im Frühjahr auf eine Stelle beworben, welche wie maßgeschneidert für mich gewesen wäre. Ich kannte diesen Vorstand auch, war mit ihm sogar per Du. Er suchte jemanden, der im Kreis der erweiterten Geschäftsleitung auch seine Ideen einer kritischen Betrachtung hätte unterziehen können. Nachdem ich mich mit der Materie auch extrem gut auskenne, wäre das ein Klacks für mich gewesen. Ich hatte auch mit ihm telefoniert, er forderte mich dann auf, meine Unterlagen zu übermitteln. Und dann schrieb er zurück, ich sei zu alt. Gut, er drückte sich ein wenig diplomatischer aus. Aber meine Arbeitsrechts-Expertin meinte, dass jedes Gericht erkennen würde, worauf die Formulierung hinausliefe. „…nicht in die … Altersstruktur …“ zu passen ist ja nun nicht wirklich eine versteckte Formulierung für „zu alt“.

Ich habe verdammt noch mal noch mindestens 7 Jahre zu arbeiten, und das will ich auch. Mindestens, weil selbst wenn ich das gesetzliche Rentenalter erreicht habe, werde ich noch weiterhin etwas zu tun wissen. Ich würde meine Mediationsausbildung, Sprachkenntnisse, interkulturellen Kompetenzen gerne nutzen, um mich eventuell sinnvoll bei internationalen Konflikten einzubringen. In der Friedensarbeit etwas weiter zu treiben, bei entsprechenden Organisationen anzudocken. Also nicht einfach „Ruhe geben“, nein. Ich bekomme ja jetzt schon manchmal die Panik, wie ich das alles noch schaffen möchte, was ich mir vorgenommen habe. Auf der faulen Haut bin ich nämlich bislang nicht gelegen, das werde meine Freunde bestätigen können.

Natürlich sehe ich mich in meinem Netzwerk hier intern um. Das ist – zugegebenermaßen – nicht so groß, wie ich es gerne hätte. Ich bin noch nicht so lange dabei, grad mal so an die 7 Jahre. Bei meiner Vita und meinen Erfahrungen kann ich in vielen Ecken des Konzerns theoretisch tätig werden. Ich kenne mich in vielen Bereichen aus, habe in vielen jeweils schon einige Jahre gearbeitet. Ich arbeite gerne mit Menschen. Ich kann Menschen motivieren, zu Höchstleistungen anspornen. Und einige kennen mich noch aus meinen früheren Funktionen, auch bei externen Firmen. So ganz unmöglich sollte das ja nicht sein, in einer Abteilung anzudocken.

Mein derzeitiger Vorgesetzter meinte ja in einem unheimlich höflichen und – ja, das muss ich auch so sagen: wertschätzenden – Gespräch, ich sei für sein Ressort bzw. meinen Bereich einfach überqualifiziert. Und ich möge mich doch umsehen, und auch mit der Personalabteilung reden. Vielleicht wüssten die etwas. So also schließt sich der Kreis mit den Ladies von HR. Wie gesagt: ich bin geladen und gewissermaßen gereizt. Kampfbereit. Ich zerre sie vor Gericht. Und ich hol mir noch eine Bestätigung von irgendeinem Psycho, dass ich einen seelischen Schaden erlitten habe, wenn sie mir blöd kommen. Und dann lasse ich sie Schmerzensgeld brennen. Im schlimmsten Fall veröffentliche ich meinen Namen und diesen Blog. Also, bleiben Sie dran, wenn Sie das interessiert. Vielleicht können Sie’s ja für Ihre Arbeitssituation auch brauchen…

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